Peter Bux, Ruhestörung 13.-26.11.2011

Peter Bux

Leipzig

Den zweiten Container gestaltet Peter Bux zu einer räumlichen Intervention um, die um Fragen der vorgeblichen Sicherheit kreist. Auf durchaus auch ironische Weise reflektiert er die ganz alltäglichen Gefahren, die es jeden Tag auszuhalten gilt – „Das Leben ist lebens­gefährlich“, – und will das Gefühl stärken für die notwendige Fülle aller Möglichkeiten, auch der schlechten, wenn vollkommene Erlebnisse möglich sein sollen.

Ein Bauwerk gilt als sicher, wenn der Einsturz mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1 Mio. ausgeschlossen werden kann. Der Passagierdampfer „Titanic“ wurde 1912 von der Versicherungsgesellschaft Lloyd mit eben dieser Wahrscheinlichkeit gegen Schiffbruch als Folge eines Zusammenstoßes mit einem Eisberg versichert.

Für die Intervention wird an einem sicher erscheinenden Gebäude mit Hilfe einer stützenden Balkenkonstruktion Baufälligkeit suggeriert (Modell). Die überraschende Infragestellung der Stabilität soll über das Relative von Sicherheit zu denken geben.
Dass es sich bei dem gewählten Gebäude um eine Bank handelt, ist dabei ein günstiger Zufall.

Alles Vertrauen und das daraus folgende Handeln hängt von unseren Vorstellungen von Zukunft ab. Sicherheitskrisen sind zuerst Vertrauenskrisen. Auch die letzten beiden Bankenkrisen sind die Folge von Vertrauensverlusten. (Vertrauen in steigende Immobilienwerte/Vertrauen in die Wertbeständigkeit europäischer Staatsanleihen). Doch so bedeutend das Thema im Moment auch sein mag: es geht nur um das gleiche Scheitern von Sicherheitsvorstellung wie 1912.

Interview

King Kong: Stell uns dein Projekt vor:
Wie kam es dazu?

Peter Bux: Die alltägliche Sicherheits­er­wartung entspricht zu keiner Zeit der Ereignisvollkommenheit.
In Krisen erweitert sich die Angst vor dem Ungewissen. Man überdimensioniert den Schutz gegen das Anstürmen der Möglichkeiten. Doch in gleichem Maß verwehrt man sich gegen positive Auswirkungen. Sollen Ereignisse Vollkommenheit besitzen, müssen stets alle Mög­lich­keiten enthalten sein. Auf Ruhe folgt Ruhe – oder Sturm. Ruhe hat, wer Sturm in Kauf nimmt. In der Ruhestörung liegt die Kraft.

KK: Was beschäftigt dich in deiner Kunst? Wie findest du deine Themen?

PB: „Rette die Gefahr“ ist das Thema. Ich lebe in meinem Thema; es gibt also keine plötzliche Findung. Die andauernde Beschäftigung damit führt zu verschiedenen Folgerichtigkeiten.

KK: Was kann Kunst im öffentlichen Raum bewirken?

PB: Nichts! Mit Kunst im öffentlichen Raum bewirkt man überhaupt nichts. Aber sie schafft einen wahrhaftigen Ereignisort. Ich erreiche für das Werk eine intensive Bezogenheit auf den Anlass. Im Zusammenhang mit der Frage erinnere ich mich an ein Graffiti aus Pompeji, der sinngemäß so lautet: „Wenige Frauen wussten, dass F … da sein würde. Aber die es wussten, haben es dann auch gespürt.“

Comments
One Response to “Peter Bux, Ruhestörung 13.-26.11.2011”
  1. freu mich auf die neue runde!